35. Mecklenburger Körtage: Glamdale I WP- und Conthargos-Söhne sind die Sieger bei der Reitpferdekörung

35.  Mecklenburger Körtage. Insgesamt 100 Hengsten bewertet

Glamdale I WP- und Conthargos-Söhne sind die Sieger bei der Reitpferdekörung. Das Lot der 36 Dressurhengste begeisterte ganz besonders.

Der 2. Teil der 35. Mecklenburger Körtage war den Reitpferdehengsten vorbehalten. Auch dieser Teil der Körung war wie bei der Ponykörung von Witterungsverhältnissen begleitet, die die Exterieur-Beurteilung auf dem Pflaster neben der Abreithalle problemlos zuließen. Die Reithalle war für die weiteren Musterungen seitens der Mitarbeiter der Verbandsgeschäftsstelle und ihrer Helfer sehr dekorativ gestaltet. Die vorgegebene Zeiteinteilung wurde minutiös eingehalten.

Die Körkommission hatte zum Erstaune einiger Aussteller ei n völlig neues Gesicht. Nach Jahrzehnten als Körkommissar war auch Jörg Weinhold nicht dabei. Zuchtleiterin Karoline Gehring fiel während der Ponykörung durch Krankheit aus. Für sie sprang Armin Spierling ein, der zugleich die Leitung übernahm. Hinzugekommen ist Holsteins Zuchtleiter a.D., Dr. Thomas Nissen, der die Zuchtkritik für die Prämienhengsten übernahm. Jörg Kotenbeutel, Dressurreiter Ronald Lüders und Springreiter Thomas Kleis gehörten wie bisher zur Kommission.

Diese hatte von den 74 im Körkatalog verzeichneten Hengsten 60 zu bewerten. 2024 waren es 76. Einige Hengste waren inzwischen bereits verkauft. Einer wurde nach dem Messen nicht weiter vorgestellt. Somit wurden bei den 35. Mecklenburger Körtagen, inklusive der Ponys und Kaltblüter, 100 Hengste bewertet (Vorjahr 103). Die gestiegene Zahl an Ponys hat somit den Rückgang der Reitpferde ausgeglichen.

Die Aspiranten der Reitpferdekörung setzten sich aus 36 dressurbetont gezogenen und 24 springbetonten Hengsten zusammen. Darunter waren Oldenburger mit 18, Mecklenburger und Hannoveraner mit je 11 am häufigsten vertreten. Je sechs Oldenburger Springpferde und Westfalen waren dabei. Insgesamt setzte sich das Körlot aus Hengsten von neun Zuchtverbänden zusammen.

Insgesamt 43 Hengste erhielten ein positives Körurteil. Das entspricht einem Anteil von 71,7 Prozent und gleicht fast dem der Ponykörung zwei Tage zuvor, als die Quote 72,5 Prozent betrug. Vergleicht man die Qualität der Dressur- mit den Springhengsten, schlägt das Pendel mit 77,8 Prozent gekörter deutlich in Richtung Dressurhengste aus. Bei den Springhengsten beträgt die Körquote 65,2 Prozent. Dieses Ergebnis belegt die besondere Qualität der Dressurhengste. Prämiert wurden insgesamt 18 Reitpferdehengste (12 Dressur- und 6 Spring-Aspiraten). „Wir sahen einen Spitzenjahrgang und eine außerordentlich hohe Qualität an Dressurhengsten“, begann Dr. Thomas Nissen seine Zuchtkritik.

 

Dressursieger verkörpert das Zuchtziel in idealer Weise

Bei den Dressurhengsten gab es in diesem Jahr eine Neuerung. Erstmals wurde für sie das Freispringen komplett gestrichen. Eine logische Konsequenz aus der Entwicklung und Spezialisierung in der Pferdezucht.

Den Körsieger bei den Dressurhengsten unter den 12 prämierten herauszufinden „war nicht schwer“, so die Einschätzung von Jörg Weinhold, der das Geschehen verfolgte. In der Tat gab es mit der Katalog-Nummer 26, einem 166cm großen lackschwarzen Oldenburger, einen geradezu überragenden Hengst. Der Sohn des Westfalen Glamdale I WP aus der Filia Aurica von Foundation x Donnerhall x Argentan, den Lothar Ackermann in Aurich gezogen hat, glänzte von seinem ersten Auftritt an in ganz besonderer Weise. Der Name Galant, den er tragen soll, drückt viel von seiner Qualität aus. „Der Hengst verkörpert mit drei hervorragenden Grundgangarten und seinem nicht zu überbietenden Typ das Zuchtziel in idealer Weise, da passt einfach alles“, so die Beschreibung von Dr. Thomas Nissen. Aussteller ist die Paul Schockemöhle Pferdehaltung GmbH in Kombination mit der Morningstar GmbH & Co. KG aus Bonn.

Zum 1. Reservesieger kürte die Kommission die Katalog-Nummer 6, ein 166cm großer Hannoveraner von Dynamic Dream aus der Doubless von Dancier x Worldly x Wendenburg, der ebenfalls von der Paul Schockemöhle Pferdehaltung GmbH ausgestellt wurde. Züchter des braunen Hengstes ist Carolin Kapp aus Clüversborstel/NS. „Ein ganz moderner Sportler, der ebenfalls ganz nahe am Optimum liegt“, so Dr. Nissen.

Der 2. Reservesieger (Kat.Nr. 39) hat ein westfälisches Papier und ist ein 169cm großer Dunkelfuchs von Total Diamond PS aus der Fiorina von Fürst Wilhelm x Ehrentusch x Rivellino xx. Volker Kückelhaus aus dem sauerländischen Nachrodt-Wiblingwerde ist Züchter. Der seit vielen Jahren erfolgreiche Züchter stellte ihn zusammen mit seinem Sohn Lukas auch aus. Lukas, der zusammen mit Patrick Berger eine ganze Reihe von Hengsten als Vorführer brillant vorstellte, präsentierte am Donnerstag bei der Ponykörung bereits den Siegerhengst aus der Zucht seines Vaters. „Totilas hat den Hengst mit seinem großen Rahmen gestempelt. Ein drahtiger Sportler mit besonderen Höhepunkten im Trab und Galopp“ (Dr. Nissen).

Die weiteren neun Dressur-Prämienhengste wurden nicht rangiert, wenngleich sie in der Reihenfolge ihrer Körnoten zur Prämierung erschienen. Sie sollen an dieser Stelle in der Reihenfolge ihrer Katalog-Nummern vorgestellt werden.
Kat.Nr. 12, 170cm großer Oldenburger Rappe von Escanto PS aus der Secret Zone PS von Secret x Zonik x Sir Donnerhall I (Z.u.A. Gestüt Lewitz).
Kat.Nr. 13, 165cm großer Oldenburger Fuchs von Escanto PS aus der Vitaline PS von Vitalis x Hotline x Classiker (Z.u.A.: Gestüt Lewitz).
Kat.Nr. 23, 165cm großer Oldenburger Rappe von Fürst Toto aus der Great Charming Girl PS von Grey Flanell x Grey Flanell x Charmeur x Sandro Hit (Z.u.A.: Gestüt Lewitz).
Kat.Nr. 24, 172cm großer brauner Westfale von Fynch Hatton aus der Reidun von Millennium/T. x Cadeau/T. x Benz/T. (Z.: Dipl.-Kffr. Hedda Ottmann-Droege, Düsseldorf; A.: Heinrich Ramsbrock, Menslage/NS)
Kat.Nr. 28, 165cm großer Oldenburger Dunkelfuchs von McLaren aus der Kolonja von Bordeaux x Di Versacve x Figaro (Z.: Louise Nieuwenhuis-Tilstra, Veeningen/NL; A.: BG Teichert, Wildeshausen/NS).
Kat.Nr. 38, 170cm großer Hannoveraner Fuchs von Thiago aus der Rico’s Deneres von Rassolini x Benvenuto x Rubinstein I (Z.: Rico Sahlke, Bahrenborstel/NS; A.: Dressage Horses – Christian Heinrich GmbH, Staffhorst/NS).
Kat.Nr. 40, 168cm großer Oldenburger Dunkelbrauner von Totilas aus der My Diva PS von Morricone I x Sir Donnerhall I x Diamond Hit (Z.u.A.: Gestüt Lewitz).
Kat.Nr. 43, 166cm großer Oldenburger Brauner von Va Bene aus der Fine Gesina PS von Foundation x Sir Donnerhall I x Don Schufro (Z.u.A.: Gestüt Lewitz).
Kat.Nr. 45, 173cm großer Oldenburger Dunkelfuchs von Vitalis aus der Lyra von For Romance I x Lauris Crusador XX x World Cup I (Z.: Beate u. Berthold Schmidt, Herleshausen/HE; A.: Heinrich Ramsbrock, Menslage/NS).

Als bester Dressurhengst mit Mecklenburger Papieren wurde die Katalog-Nummer 15 geehrte. Ein 170cm großer dunkelbrauner Hengst von Estobar NRW aus der Staatsprämienstute Minka von Millennium/T. x D’Olympic x Astor. Züchter und Aussteller des typvollen Hengstes mit drei hervorragenden Grundgangarten sind Eberhard & Marianne Mahncke aus Gotthun.

 

Springsieger glänzt mit Typ und Doppelveranlagung

Von den 24 vorgestellten Springhengsten wurde 15 gekört und sechs prämiert. Das Freispringen verlief unter Leitung von Michale Nagel und Enrico Finck erneut vorbildlich. Nicht eine einzige Stange ist am Samstagnachmittag gefallen. Das hat natürlich vor allem mit der Springqualität der Hengste zu tun. Dennoch sind die angepassten Abstände in der Sprungreihe und das sachkundige agieren der Mannschaft, wenn sich die Pferde in der Sprungreihe befinden, von großer Bedeutung.

Sieger wurde ein Hengst, der von seiner Bewegungsveranlagung auch ins Dressurlot gepasst hätte. Dabei ist die Genetik mit Conthargos als Vater und mit der Mutter Lordana B, die über Lordanos x Quattro B x Pik Trumpf gezogen ist, eindeutig springgeprägt. Das 171cm große Oldenburger Springpferd in dunkelbrauner Jacke mit der Katalog-Nummer 59 glänzte zudem mit brillantem Typ. Am Sprung zunächst etwas übermotiviert und hastig, kam das Talent bei den höheren Sprüngen mit guter Technik deutlich zum Tragen. „Eine ideale Kombination aus Typ, Bewegung und Springveranlagung“, beschrieb Dr. Thomas Nissen den Hengst. Das herrliche Gesicht betonte er nochmal besonders. Gezogen wurde er bei Cinzia Beyer in Zizers (Schweiz). Ausgestellt wurde der Hengst von Viktor Esselin und seinem Unternehmen Esselin Sporthoses aus Lastrup.

Der 1. Reservesieg ging nach Emsbüren an den Zuchthof von Rene Tebbel. Er präsentierte mit der Katalog-Nummer 60 ein 165cm großes Zangersheide Reitpferd. Der bunte Fuchs stammt ebenfalls vom Elitehengst Conthargos ab, der im Gestüt Lewitz ganz viele springveranlagte Nachkommen hinterlassen hat, auch mit Mecklenburger Papieren. Mutter ist die Balou de Regor DM Z von Balou du Rouet x Kannan x Cento. Das Springen war überragend, evtl. das Beste was bei der Körung zu sehen war. „Ein Hengst mit überragender Sportlichkeit und Dynamik in der Bewegung, der auch am Sprung sehr konzentriert war“ lautet die Zuchtkritik von Dr. Nissen.

Der 2. Reservesieger (Kat.Nr. 56), ist ein weiteres 168cm großes Oldenburger Springpferd. Das Gestüt Lewitz ist Züchter und Aussteller des braunen Hengstes, der den vor kurzem von der Zuchtbühne abgetretene Schimmel Chacoon Blue zum Vater hat. Auch in diesem Hengst sind über Mutter Conthina die Gene von Conthargos enthalten. Im fallenden Stamm stehen Armitage und Baloubet du Rouet im Pedigree. Auch dieser Hengst hat am Sprung alles gezeigt was sich Springreiter wünschen. „Mit idealem Reitpferderahmen und bestem Typ ausgestattet, ist der großzügige Galopp besonders hervorzuheben“, so Dr. Nissen. Damit kommen acht der insgesamt 18 Prämienhengste aus dem Hause Schockemöhle.

Die weiteren drei Prämienhengste wurden nicht rangiert. Die Aufzählung deshalb auch in der Reihenfolge der Katalog-Nummern.
Kat.Nr. 69, 167cm großer Zangersheide Fuchs von Emerald van het Ruytershof aus der Unicabelle van’t Roosakker Z von Uricas van de Kattevennen x Comme il faut NRW x Rubens du Ri d’Asse (Z.: Field Horse Breeding/NL; A.: Zuchthof Tebbel, Emsbüren). Damit sind beide präsentierten Hengste von Rene Tebbel prämiert worden.
Kat.Nr. 72, 162cm großer Mecklenburger Schimmel von Maverik aus der Columbine von Cellestial x Capriol x Mistral II (Z.u.A.: Schmidt/Schmidt GbR, Werder.
Kat.Nr. 74, 171cm großer Hannoveraner Dunkelfuchs von Valensky aus der Quinta von Qualito I x Iberio x Foxhunter (Z.u.A.: ZG Deegen, Langendorf/NS).

Den besten Mecklenburger Springhengst stellte Matthias Wandschneider aus Lützow als Züchter aus. Der dunkelbraune 164cm große Sohn von Congress stammt aus der Stute Barcelona von Brantzau x Catoki x Landgraf I. Der gekörte Hengst präsentierte gute Springtechnik und ließ viel Springvermögen erkennen. Rundherum ein schicker Hengst und toller Sportler.

12-06-Ergebnis Reitpferdekörung

 

Ein Mecklenburger Hengst bezieht eine Beschälerbox in Redefin

Ein Hengst soll noch erwähnt werden, der nach Auffassung Außenstehender auch ein würdiger Prämienhengst gewesen wäre. Die Rede ist vom 165cm großen braunen Mecklenburger von Coeur de Bella Donna aus der Cosma von Corrido x Calypso I x Liguster den die Hasselmann GbR in Anklam gezogen hat. Ausgestellt wurde der gekörte Hengst, den Körkommissar Armin Spierling als einen der besten am Sprung bezeichnete, bei Antonius Johanngieseker aus Verl. Wie am Ende der Körung zu hören war, bleibt er den Mecklenburger Züchtern erhalten, auch wenn er nicht prämiert wurde und wird eine Beschälerbox im Landgestüt Redefin beziehen.

Es ist guter Brauch geworden, dass das Körbüro, das in diesem Jahr in der alleinigen Verantwortung von Birca Roos lag, weil ihre Kollegin Heike Fischer nach einer Hüft-Operation noch nicht wieder im Dienst ist, einen Aussteller ehrt, der die erforderlichen Unterlagen in besonderer Weise komplett und rechtzeitig vorlegt. Diese Ehrung ging in diesem Jahr an Mario Abresch von der MYP Beteiligungs GmbH, wenn sein Vivaldos-Sohn aus dem Springlot auch nicht gekört wurde.

Die Verlags GmbH aus Stuttgart, die die Zeitschrift Züchterforum herausgibt, mit der Claus Schridde in Verbindung steht, der die Moderation der Körtage in Redefin wieder mit ganz vielen Hintergrundinformationen übernommen hat, zeichnet seit vielen Jahren eine Person aus, die bei der Vorführung von Hengsten besonders positiv auffiel. Diese Ehrung, die mit einem Scheck in Höhe von 300 Euro verbunden ist, ging in diesem Jahr an den Mecklenburger Rocco Henning aus Sternfeld.

Am Ende der drei Körtage sei allen Beteiligten, die die 35. Mecklenburger Körtage im Landgestüt Redefin wieder zu einem züchterischen Highlight und Erlebnis gemacht haben, herzlich gedankt. Dank vor allem auch an das Team um Michael Nagel und Enrico Finck, das für einen reibungslosen Ablauf beim Freilaufen und Freispringen gesorgt hat. Dazu gehörten in diesem Jahr neben den Genannten Julian Sass, Jens Maaß, Emma Luise Paul, Christian Krause, Max Kirchner, Robert Kühl und Tilo Horn. (Text: Franz Wego)


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